Markus Zettinig

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Gastfreundschaft – ein geben und nehmen,
mehr als nur touristisches Geplänkel?

Ich verstehe unter Gastfreundschaft „Mein Willkommenheißen“ für Dich, meinen Gast. – Für den Fremden, ein Aufnehmen in Würde und mit einer Kommunikation in Augenhöhe. Das tun wir in Tirol ohnehin jeden Tag, mit Gästen aus der ganzen Welt. Ob Deutscher, Asiat und Amerikaner oder Russe. Was macht das für einen Unterschied – 50 Euro am Tag? und es macht uns Freude, sie zu bedienen. Immerhin geht es uns deshalb so gut, wie nie zuvor!

Für Flüchtlinge ist nicht Tirol das Land ihrer Träume: es ist das Land, das für Sicherheit und Erhalt ihres Lebens und das ihrer Angehörigen steht. Es bietet ihnen Schutz und gibt ihnen Nahrung, alles das, was sie sich für Zuhause gewünscht und erträumt haben. Deshalb haben sie ihren erlernten Beruf ausgeübt, in ihrer Heimat, und ihre Kinder gingen zur Schule, in ihrem Dorf.

Doch plötzlich ist alles anders? Ja, weil Krieg herrscht. Tod und Totschlag, Bombenterror mit zerstörten Dörfern und Gebäuden, und ethnische Säuberungen. Ich bin Christ und lebte im Irak. Ich bin mit meiner Familie geflohen. Und jetzt bin ich in Tirol. Für mich ist es das Land meiner Träume: Frei zu sein, ohne Angst. Ich bin dankbar für die Gnade, hier angekommen zu sein – im Land meiner Träume.

Und ich habe Menschen kennengelernt, die mir zu hören. Mir ein Lächeln schenken. Mit meinem Sohn Geburtstag feiern. Ich bin mir sicher, sie verstehen mich. Einfach so.

Ich würde das gleiche tun, würde in Europa Krieg herrschen und die Tiroler fliehen müssten, zu mir in den Irak. Immerhin haben auch Sie den Krieg nicht gewollt. Er ist damals, vor 75 Jahren, über sie hereingebrochen; diese Unseligste aller Zeiten. Und so bleibt mir nur noch zu hoffen, dass es viele Menschen gibt, die das gleiche empfinden, Gastfreundschaft – schenken und empfangen.

Markus Zettinig