Solidarität für und mit geflüchteten Frauen

Zurzeit wohnen 13 geflüchtete Frauen mit 6 Kindern im Haus Liah. Platz wäre für 40 Personen. Die Solidarität Igls setzt sich für die Aufnahme von geflüchteten Frauen und Kindern aus den menschenunwürdigen Lagern an den EU-Außengrenzen ein. Regelmäßig finden Mahnwachen auf dem Igler Kirchplatz statt.

Einige IglerInnen und VillerInnen sind Buddys von geflüchteten Frauen im Haus Liah. Ein Buddy unterstützt eine geflüchtete Frau und ihre Kinder ganz individuell. Das geschieht auf vielfältige Weise. Manche Buddys lernen Deutsch mit einer geflüchteten Frau. Andere machen gemeinsame Ausflüge oder gehen zusammen in Konzerte. Wieder andere helfen bei der Wohnungs- und Arbeitssuche. Buddys gehen auch mit zum Arzt, unterstützen bei Amtswegen oder begleiten geflüchtete Frauen bei ihrer Anhörung im Asylverfahren.

Ein Buddy ist da und hört zu. Manchmal kommt eine geflüchtete Frau einfach zu einem Buddy nach Hause und bleibt zum Kaffee oder zum Essen. Die Frau braucht einen Platz, wo sie sie selbst sein kann, und ein Ohr, das ihr zuhört. Kulturelle Differenzen können herausfordernd sein, aber auch neue Welten erschließen. Und so entsteht oft über alle Unterschiede hinweg eine Freundschaft, die beide Seiten bereichert.

4 Buddys erzählen…

Sonja: „Bei einem Fest im Haus Liah hat T. aus Syrien mich gefragt, ob ich ihr beim Deutsch Lernen helfen könnte. Das war der Beginn einer Freundschaft. Zweimal in der Woche kam T. zum ‚selbst gebastelten‘ Sprachkurs zu uns nach Hause. Als Dank hat T. uns mit köstlichen orientalischen Gerichten verwöhnt. T. hat uns für die besonders prekäre Lebenssituation syrischer Kurden in diesem furchtbaren Krieg sensibilisiert. Trotz widrigster Lebensumstände hat sich T. ihren Optimismus erhalten und ihr Leben in der Fremde mit Zuversicht gestaltet. Das erfüllt uns mit viel Bewunderung und Freude.“

Christine: „A. ist eine junge Frau aus Nigeria. Sie ist ein sehr offener Mensch. Es war leicht und spannend, A. kennenzulernen. Zuerst trafen wir uns in der Natur oder im Haus Liah. Seit A. in der Stadt wohnt, besucht sie uns zuhause. Zuerst schwanger, dann mit ihrem ersten Kind und später auch mit ihrem zweiten Kind. Ich umsorge A. meist mütterlich. Wir essen miteinander, sie kann auf unserer Couch schlafen, während ich mich um ihr Baby kümmere. A. genießt das sichtlich. Die Unverlässlichkeit, was Termine anlangt und die Geldsorgen der kleinen Familie überfordern mich zeitweise.“

Moni: „Ich bin ins Buddy-Sein eigentlich hineingeschlittert. R. ist eine junge Frau aus der Ostukraine, die mit ihrem achtjährigen Sohn nach Österreich gekommen ist. Als R. ins Haus Liah kam, habe ich sie beim Deutsch Lernen begleitet und sie bald zu uns nach Hause eingeladen. Meistens hat R. mir beim Lernen ihre Sorgen erzählt. Mein Mann hat in der Zwischenzeit mit dem Sohn von R. im Garten gespielt, der sich gleich bei uns wohlgefühlt hat.“

Ulla: „Zuerst war ich Buddy einer Frau aus Somalia mit einem kleinen Sohn. Nach ihrem Auszug aus dem Haus Liah wurde ich Buddy einer Frau mit zwei Mädchen aus Syrien. Auch sie leben mittlerweile in einer eigenen Wohnung. Wir haben weiterhin Kontakt und ich freue mich, wenn wir nach Covid wieder gemeinsam am Tisch sitzen können bei gutem Essen und dabei viel lachen. Als Buddy habe ich starke und bewusste Frauen kennengelernt, die viele Schwierigkeiten zu meistern hatten und mit Ausdauer ihr Leben in Tirol gestalten. Für mich sind die Begegnungen mit geflüchteten Frauen, die mir Einblicke in ihre Lebensform ermöglichen, ein großer Gewinn.“